Immer noch wird diskutiert, ob die Absage von Großveranstaltungen wegen des Coronavirus wirklich nötig ist. Vergleicht man die Entwicklung von Corona in Deutschland, Frankreich und Italien wird die Wichtigkeit sofort sonnenklar.

COVID-19 Erkrankungen in Deutschland, Frankreich und Italien. Die logarithmische Skalierung ermöglicht es, die Wachstumsgeschwindigkeit zu erkennen. (Grafik: Rainer Gerhards mit Daten der Weltgesundheitsorganisation, Stand: 2020-03-10)

Update: Aktuelle Zahlen zu Corona-Fällen finden sich jetzt unter „Wachstum Corona-Infektionen im Vergleich: Deutschland, Italien, Frankreich und USA“ und werden dort auch aktualisiert.

Kurz und knapp gesagt: in Italien ist es über die Karnevalstage zu einem massiven Anstieg gekommen. Seitdem ist die Zunahme der Infektionen eigentlich gar nicht mehr größer als bei uns oder in Frankreich. Hätte man in Italien Großveranstaltungen über Karneval untersagt, so hätte man heute auch 1.000 statt 10.000 Erkrankte. Gewusst hat man das in diesem Maße vorher vermutlich nicht.

Damit ist aber eindrücklich klar: wir müssen uns wirklich bemühen die Anzahl der Neuansteckungen so gering wie möglich zu halten. Denn auch bei uns wachsen die Fälle weiter. Nur wenn wir die Zunahme deutlich verringern können, bleiben uns ähnlich hohe Zahlen wie in Italien erspart. Das geht nur, wenn persönliche Kontakte reduziert werden. Noch können wir etwas bewirken – viel Zeit ist aber nicht mehr. Somit ist es richtig, jetzt auch harte Maßnahmen zu verhängen. Massenveranstaltungen (wie der Karneval in Venedig) sind „perfekt“ um Corona zu „verteilen“. Daher dürfen die nicht mehr stattfinden.

Das ist keine Panikmache. Machen wir das nicht, werden wir in absehbarer Zeit Sperrungen von ganzen Regionen ähnlich wie in Italien erleben. Da ist es doch besser, wenn wir jetzt mit zwar unangenehmen aber letztlich doch erträglichen Maßnahmen leben.

Details zu den Corona-Fallzahlen

Grafik in traditioneller Form

Der Vollständigkeit halber hier auch noch einmal die selben Daten in der gewohnte linearen Skalierung. Die wirkt zwar „eindrucksvoller“ bietet uns aber wenig wirklichen Einblick in die Steigerungsraten. Deswegen beschäftigen wir uns auch nicht weiter mit dieser Grafik.

Corona-Erkrankungen im Ländervergleich, hier mit der üblichen linearen Skalierung. Die Dimension des Anstiegs ist sehr deutlich zu erkennen, dafür „verstecken“ sich die Hintergrundinfos. (Grafik: Rainer Gerhards mit Daten der Weltgesundheitsorganisation, Stand: 2020-03-10)

Die Auswirkungen der Karnevalszeit

Wie bereits erwähnt, war der Karneval offensichtlich gut für SARS-CoV-2 (so heißt Corona offiziell): bis in die Faschingswoche hinein gab es in allen drei Ländern nur wenige Erkrankungen – unter 20 Fälle. Das erkennt man im obigen logarithmischen Diagramm sehr gut. Vergrößern wir den entscheidenden Bereich einmal heraus:

Wachstum Corona-Erkrankungen um die Karnevalswoche (Ausschnitt)

Der starke Anstieg in Italien (rot) wurde bereits besprochen. Interessant ist aber, dass auch in Deutschland (blau) und Frankreich (gelb) einige Tage nach Fasching ein Anstieg zu erkennen ist. Betrachtet man die mittlere Inkubationszeit von 5 bis 6 Tagen (RKI), so erscheint auch hier ein Zusammenhang mit dem Karneval durchaus möglich. Interessant ist weiter, dass der Anstieg nicht nur in Deutschland mit seinem Sonderfall Heinsberg auftratt, sondern ähnlich auch in Frankreich. In allen drei Ländern war bis zum Karneval kein nennenswerter Anstieg zu verzeichnen. Man kann somit spekulieren, dass die Faschingszeit ursächlich für die jetzt starken Anstiege in Europa ist (vielleicht auch weltweit).

Auch daran erkennt man wieder, wie wichtig es ist, größere Menschensammlungen momentan zu vermeiden. Insbesondere wenn es eng zugeht.

Warum wir unser Alltagsleben vorübergehend ändern müssen

COVID-19 Erkrankungen in Deutschland, Frankreich und Italien. Die logarithmische Skalierung ermöglicht es, die Wachstumsgeschwindigkeit zu erkennen. (Grafik: Rainer Gerhards mit Daten der Weltgesundheitsorganisation, Stand: 2020-03-10)

Werfen wir nochmals einen Blick auf die obere Grafik in Gänze. Bereits die ersten Maßnahmen in Italien haben gewirkt, der Anstieg hat sich leicht abgeflacht (ab ca. 2. März). Die relative Zunahme von neuen Fällen ist in Italien aktuell sogar etwas niedriger als in Deutschland und Frankreich (das übersieht man leicht durch die hohen absoluten Zahlen). Auch in Italien ist die Rate aber noch zu hoch, daher die neuen drastischen Maßnahmen. Auch wir müssen die Ansteckungsrate weiter reduzieren. Dann, und vermutlich nur dann, kommen wir mit „einem blauen Auge“ durch die Corona-Welle.

Wenn einem dieser Zusammenhang klar ist, dann kann man sicherlich besser auf sein Fußballspiel, den Konzertbesuch und so manche andere Aktivität verzichten. Das „Geisterspiel“ muss seinen Schrecken verlieren. Auch kleinere Veranstaltungen können hinterfragt werden. Denn es lohnt sich. Für die Risikogruppen – aber auch für alle anderen. Gemeinsam und solidarisch werden wir die „Corona-Krise“ meistern.

Auf ein persönliches Wort…

Ich habe mir eine ganze Weile überlegt, ob ich diesen Artikel wirklich schreiben soll. „Panikmache“ schallt es einem allzu schnell entgegen. Ganz unangebracht ist dieser Generalverdacht sicherlich nicht. Insbesondere wenn man schaut, was teilweise auf Facebook & Co so alles abgeht…

Gerade in der heutigen Situation mit der sehr emotional Diskussion über das Verbot von Großveranstaltungen sind Fakten aber immens wichtig. Egal, ob sie gut oder schlecht aussehen. Was bringt es, alles schön zu reden, wenn es unschön werden kann? Noch sind wir in der Lage, die Situation zu beherrschen. Vertrödeln wir weitere 7 bis 10 Tage, dann könnte das anders aussehen. Daher müssen wir handeln.

Handeln bedeutet aber einen spürbaren Eingriff in das Alltagsleben fast aller Deutschen. Deswegen muss man erklären, warum das wichtig ist. Und warum man nicht daran vorbei kommt. Auch unschöne Maßnahmen kann man akzeptieren – meiner Meinung nach aber nur aus gutem Grund.

Ich hoffe mit diesem Artikel einen kleinen Beitrag zum besseren Verständnis der Situation und zur Akzeptanz der notwendigen Maßnahmen zu leisten. Ganz ohne Panik.

Quellen

Weitere Informationen rund um Covid-19 (Corona, SARS-CoV-2), auch im Main-Tauber Kreis, gibt es auf der Übersichtsseite zu Coronavirus in Großrinderfeld und Main-Tauber Kreis.
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Informationen zu Corona-Mutationen in Baden-Württemberg finden Sie hier.