Der Main-Tauber-Kreis hat beim Bund Förderanträge für den Ausbau eines Glasfasernetzes gestellt. Nach Angaben des Landratsamts geht es um 27.416 Adressen, die nach einem Markterkundungsverfahren nicht privatwirtschaftlich erschlossen werden sollen.

Die Anträge beziehen sich auf das Bundesförderprogramm nach der Gigabit-Richtlinie 2.0. Die Kreisverwaltung koordiniert das Vorhaben nach eigener Darstellung weiter gemeinsam mit den 18 Städten und Gemeinden. Ziel ist eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur für Bürgerinnen und Bürger sowie die örtliche Wirtschaft.
Förderung für Versorgungslücken
Vorausgegangen war ein Markterkundungsverfahren. Dabei wurde ermittelt, welche Adressen nicht von Telekommunikationsunternehmen auf eigene Rechnung erschlossen werden. Für diese Versorgungslücken soll nun ein geförderter Ausbau vorbereitet werden. Wegen der Zahl von 27.416 unterversorgten Adressen hat der Landkreis das Vorhaben nach Angaben der zuständigen Dezernentin Ursula Mühleck in vier Antragsgebiete aufgeteilt.
Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, aber noch keine Zusage für den Ausbau einzelner Orte oder Haushalte. Ein positiver Förderbescheid wird nach Angaben des Landratsamts erst gegen Ende dieses Jahres erwartet.
206 Millionen Euro veranschlagt
Das Gesamtinvestitionsvolumen wird derzeit mit rund 206 Millionen Euro beziffert. Der Bund soll voraussichtlich 50 Prozent der Kosten übernehmen, das Land Baden-Württemberg 40 Prozent. Die verbleibenden zehn Prozent sollen nach der Absicht des Landratsamts je zur Hälfte von Kreis und Kommunen getragen werden.
Bei einem positiven Förderbescheid soll anschließend ein europaweites Ausschreibungsverfahren für ein Wirtschaftlichkeitslückenmodell vorbereitet werden. Dabei wird der Ausbau dort gefördert, wo ihn kein Unternehmen eigenwirtschaftlich umsetzt. Nach der derzeitigen Planung könnte der Baustart Mitte 2028 erfolgen.
Neuer Ansatz nach dem Aus von LEONET/BBV
Der Förderantrag knüpft an die Neuorientierung des Landkreises an. Die frühere Kooperationsvereinbarung für einen kreisweiten eigenwirtschaftlichen Ausbau durch BBV, später LEONET, wird von Kreis und Kommunen nicht mehr aktiv weiterverfolgt. Im März hatte der Landkreis zudem die Absage des flächendeckenden LEONET/BBV-Ausbaus bestätigt. Darüber hatten wir berichtet.
Landrat Christoph Schauder bezeichnete ein leistungsfähiges digitales Netz als Standortfaktor und Teil der Daseinsvorsorge. Mit dem Einreichen der Anträge wolle der Kreis die Voraussetzungen für gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Teilen der Region schaffen.
Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis Nr. 476-2026 vom 16. September 2026 (via E-Mail).
