Wir hatten es befürchtet. Die Aktualisierung der Corona-Fallzahlen über die Weihnachtstage erfolgt schleppend. Das schränkt deren Aussagefähigkeit zur aktuellen Lage deutlich ein. Genau das scheint passiert zu sein. Unserer Ansicht nach noch schlimmer als befürchtet. Wir gehen aktuell davon aus, dass erst Mitte Januar wieder ein klarer Trend erkennbar wird. Seinen Sie daher bitte sehr vorsichtig mit Corona-Zahlen, die sie „zwischen den Jahren“ zu sehen bekommen.

Eine der wenigen Statistiken, die aktuell noch weitgehend realistisch sein dürfte: die Belegung der Intensivbetten in Deutschland. (Grafik: Rainer Gerhards, Quelle: DIVI)

Das RKI weist seit Beginn der Weihnachtstage auf die Probleme der Datenlage hin. Unter anderem auch in seinem heutigen Lagebericht: „Insgesamt ist während der Feiertage mit einer geringeren Test- und Meldeaktivität zu rechnen, so dass die im Dashboard und Lagebericht ausgewiesenen Daten nur ein unvollständiges Bild der epidemiologischen Lage in Deutschland ergeben könnte„.

So können wir uns aktuell an deutlich sinkenden Sieben-Tage-Inzidenzen „erfreuen“ – wohl wissend, dass sie der Situation an den Feiertagen zu verdanken sind. Leider ist damit auch nicht mehr erkennbar, ob der sich in Baden-Württemberg abzeichnende Trend zur Stagnation des Wachstums tatsächlich ergeben hat – oder auch nicht.

Kein rein kosmetisches Problem

Schlimmer noch, das RKI weist, unter anderem im Dashboard, auf Folgendes hin: „Während der Feiertage und zum Jahreswechsel ist bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass zum einen meist weniger Personen einen Arzt aufsuchen, dadurch werden weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt. Dies führt dazu, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet werden. Zum anderen kann es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an allen Tagen an das RKI übermitteln.“.

Visualisierung der Corona-Schutzmaßnahmen
Bleiben Sie gesund. Helfen Sie mit, das Corona-Virus einzudämmen. Mit einfachen Maßnahmen können wir alle dazu beitragen. Gerade in einer Zeit, in der wir wenig über die Corona-Lage in Deutschland wissen. Installieren Sie auch die Corona-Warn-App. (Grafik: Bundesregierung)

Es ist also nicht nur Meldeverzug. Es werden auch tatsächlich weniger Verdachtsfälle getestet und entsprechend weniger positive Befunde gibt es. Und wo kein positives Ergebnis ist, da ist auch keine Quarantäne. Zusammen mit dem Weihnachts-Besuchsverkehr deutet also Einiges darauf hin, dass uns Anfang Januar ein Anstieg ins Haus stehen könnte.

Nun ist es aber so, dass die Zeit „zwischen den Jahren“ auch noch die nächste Woche umfasst. Auch dann werden viele Arztpraxen geschlossen sein. Dazu kommt Donnerstag Sylvester, Freitag Neujahr und ein weiteres Wochenende. Wir werden also auch in der nächsten Woche kaum verlässliche Zahlen bekommen. Und im hier im Süden kann es durchaus bis zum Drei-Königstag dauern, bis auch im Gesundheitswesen wieder „Normalbetrieb“ (unter Corona-Bedingungen…) eintritt.

Nimmt man das alles Zusammen, und dazu die üblichen Verzögerungen, dann wird man einen Trend vermutlich erst Mitte Januar wieder deutlich erkennen können. Zumindest wenn er, was wir hoffen wollen, nach unten zeigt. Sollten die Zahlen in den kommenden Tagen bereits deutlich ansteigen, dann wäre das jedoch ein wirklich schlechtes Zeichen. Wir hoffen aber, dass dem nicht so ist.

Weitere Informationen rund um Covid-19 (Corona, SARS-CoV-2), auch im Main-Tauber Kreis, gibt es auf der Übersichtsseite zu Coronavirus in Großrinderfeld und Main-Tauber Kreis.
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Informationen zu Corona-Mutationen in Baden-Württemberg finden Sie hier.