Vorab: diese These ist noch gänzlich unbestätigt – im Endeffekt suche ich noch Leute, die sie genauer betrachten möchten. Ich vermute, dass der unerwartet starke Anstieg der Corona-Infektionen zu Beginn Oktober auch auf das Wetter zurückzuführen ist.

Entwicklung der Corona-Neuinfektionen [nach Meldedatum] in Deutschland. Ab ca. 7 Oktober setzte ein besonders starkes Wachstum ein. (Grafik: Rainer Gerhards, Daten: RKI)

Wichtig: selbst wenn die These zutrifft, so bedeutet das nicht, dass das Wetter der alleinige Grund ist. Werden ausreichende Schutzmaßnahmen entsprechend eingehalten, ist die Pandemie natürlich auch bei kälterem Klima beherrschbar. In den letzten Wochen waren die Schutzmaßnahmen und insbesondere deren Einhaltung allerdings zunehmend weniger wirkungsvoll. Die vermutete Kausalität ist also, dass eine ohnehin kritische Situation durch den Wetterwechsel verstärkt wird. Anders gesagt: die Einhaltung der Maßnahmen und evtl. auch die Maßnahmen an sich entsprechen womöglich nicht mehr den nun gegebenen Rahmenbedingungen.

Ich meine, einen möglichen Zusammenhang zu erkennen:

  • auch in einigen Nachbarländern, z.B,. Italien, Belgien und Polen, (Tschechien?) nahm das Wachstum ähnlich stark zu (siehe Grafiken unten). In einigen anderen jedoch nicht (z.B. Niederlande)
  • Im letzten Septemberdrittel wurde es zumindest in Deutschland deutlich kühler (siehe Bericht des DWD) und ist es bis heute geblieben

Für die These spricht:

  • Wir wissen, dass durch Aerosole das Infektionsrisiko im Innenraum ca. 20 mal höher ist als im Außenbereich.
  • Es ist stark zu vermuten, dass bei schlechterem Wetter mehr Aktivitäten, insb. Treffen, vom Außen- in den Innenbereich verlagert werden.
  • Geht man von ca. 14 Tagen zwischen Ansteckung von Neufällen und deren Erscheinen in der Statistik aus, dann würde scheint ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Witterung und Anstieg möglich zu sein.
  • Sonstige Faktoren wie insb. Reiserückkehrer und Schulöffnungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits entweder schon länger in der Statistik enthalten oder nicht mehr relevant (wie Reiserückkehrer). Auch das RKI spricht von „privaten Festen und Feiern“ als einer Hauptquelle des Infektionsgeschehens.
  • Eine Saisonalität von SARS-CoV-2 ist meines Wissens nach erwiesen, zumindest aber Konsens in der Fachwelt.

Gegen die These spricht mindestens:

  • es könnte sich um die bereits seit längerem vorhergesagten Perkolationseffekte handeln
  • nicht alle Nachbarländer erleben eine ähnliche Steigerung, insb. auch die benachbarten Länder Belgien und Niederlande nicht

Neutral bzw. nicht von mir bewertbar

  • das starke Wachstum der Fallzahlen nimmt relativ uniform in allen Altersgruppen zu, mit einer leicht höheren Steigerung bei den 15 bis 59 Jährigen. Dies spricht tendenziell gegen Pflegeeinrichtungen als große Hotspots.

Was man noch prüfen könnte

  • zunächst natürlich einmal die genaue Korrelation zwischen Infektionen und Wettergeschehen (Temperatur und Niederschlag), für alle Nachbarländer; die Daten liegen mir selbst grossteils nicht vor, außerdem fehlt mir dazu leider aktuell die Zeit
  • die Steilheit der Anstiege in den Bundesländern ist unterschiedlich – besteht da evtl,. auch eine Beziehung zum Wetter? Müsste aber vermutlich um Grundinfektionen bereinigt werden (McPom wird zumindest schwierig).
  • Sollte nochmals eine „Schönwetterphase“ eintreten, so wäre von einem Absinken der Wachstumsrate auszugehen. Dies wäre aber ein schwaches Signal, da sich durch die steigenden Neuinfektionsraten (hoffentlich) auch das Verhalten der Menschen ändert.

Kommentare willkommen!

Ich kann leider nicht mehr als einen Anstoß geben. Es würde mich sehr freuen, wenn Fachkundige einmal einen genaueren Blick auf die These werfen könnten. Meine Kontaktdaten finden sich auch hier.

Grafiken aus Nachbarländern

Alle Grafiken wurden am 17.10. um cq. 11 Uhr aus dem Johns Hopkins Dashboard erstellt. Ich habe leider aktuell keine geglätteten Zahlen unmittelbar zu Hand für eigene Auswertungen.

Wachstum Neuinfektionen Belgien bis 2020-10-17
Wachstum Neuinfektionen Italien bis 2020-10-17
Wachstum Neuinfektionen Polen bis 2020-10-17

Weitere Informationen rund um Covid-19 (Corona, SARS-CoV-2), auch im Main-Tauber Kreis, gibt es auf der Übersichtsseite zu Coronavirus in Großrinderfeld und Main-Tauber Kreis.
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