Freiflächen Photovoltaik: Verschwendung von Ackerfläche?

Verschwenden wir Ackerfläche, wenn wir eine Photovoltaik Freiflächenanlage aufbauen? Im Gegenteil. Viel mehr Fläche wird für den Anbau von Energiepflanzen (Mais, Raps, …) benötigt.

Maisacker - zur Energiegewinnnung
Mais – eine typische Energiepflanze

Kurz und Knapp…

Freiflächen Photovoltaik-Anlagen benötigen erheblich weniger Fläche als der Anbau von Energiepflanzen. Wer sich also um den Verbrauch von Ackerfläche sorgt, sollte lieber Photovoltaik als Mais & Co „anpflanzen“.

Und hier die Details…

Ein Argument darf in Diskussionen über Freiflächen Photovoltaikanlagen nicht fehlen: Durch die Anlagen werde Ackerfläche „verschwendet“. Die steht dann nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung steht.

Das klingt im ersten Moment plausibel. Wenn man genauer hinschaut merkt man: stimmt so aber nicht. Tatsächlich wird schon seit einiger Zeit Ackerland für die Energiegewinnung verwendet: Mais, Raps und andere „Energiepflanzen“ werden angebaut. Daraus wird Biosprit oder auch direkt Strom erzeugt. Letzteres erfolgt dann über den Umweg der Biogasanlage.

So richtig merkt man diese Nutzung aber nicht. Schließlich ist es einem Acker nicht anzusehen, ob der dort wachsende Mais oder Raps zu Nahrungsmittel wird – oder Bakterienfutter für die Biogasanlage. Fakt ist aber, dass ein erheblicher Teil des Anbaus mittlerweile nicht mehr Nahrungszwecken dient.

Anders bei einer Fotovoltaikanlage. Da sieht man natürlich sofort, wofür der Acker genutzt wird.

Warum Freiflächen-Photovoltaik besser ist

Freiflächen Photovoltaik Anlage
Beispiel einer Freiflächen Photovoltaikanlage (Foto: Pixabay/stuxx)

Im Gegensatz zu Energiepflanzen braucht man viel weniger Fläche für  Solarparks. Das Umwelt-Bundesamt schreibt hierzu: „Beim Vergleich der verschiedenen Techniken zur Nutzung erneuerbaren Energien ist die jeweilige Flächeninanspruchnahme ein wichtiges Kriterium. … Verschiedene Studien, wie die „Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der erneuerbaren Energien“, haben gezeigt, dass Wind- und Solarenergie der Biomasse in der Flächeneffizienz um ein Vielfaches überlegen sind. Dies gilt auch für die Umwandlung des Wind- und Solarstroms in chemische Energieträger wie Methan oder Wasserstoff.

Dazu gibt es auch konkrete Zahlen: Beim Bundesamt für Naturschutz gibt es eine Präsentation  zum Thema. Danach brauchen Energiepflanzen eine Fläche von 50 bis 100 Hektar pro Gigawattstunde/Jahr. Bei PV-Anlagen braucht es lediglich 1,65 bis 4 Hektar. Selbst bei ungünstigster Rechnung benötigt die Freiflächen Photovoltaikanlage also nur ein Zehntel der Fläche, die für den Anbau von Energiepflanzen benötigt wird. Diesen Wert findet man beispielsweise auch im Positionspapier des BUND zur Photovoltaik (S. 1 unten).

Salopp gesagt: würde der Anbau von Mais und anderen Arten als Energiepflanze durch Photovoltaik ersetzt, könnten wir mindestens 90% der bisher dafür benötigten Flächen wieder der Nahrungsmittelproduktion zuführen!

Dabei brauchen wir aktuell gar keine größere Fläche für Nahrungsmittelproduktion. Noch vor wenigen Jahren waren daher sehr viel mehr Flächen stillgelegt. Und damit übrigens auch dem Naturschutz zugänglich. Erst mit dem Aufkommen der Energiepflanzen wurde der Ackerbau wieder intensiviert. Allerdings: im Hinblick auf den gewünschten Ausbau des ökologischen Landbaus wird der Flächenbedarf vermutlich wieder zunehmen.

Es gibt noch weitere Vorteile von Photovoltaik-Freiflächenanlagen:

  • höherer Ertrag für den Landwirt
  • kein Einsatz von Pestiziden oder Düngemitteln (deren Herstellung auch wieder Energie erfordert!)
  • richtig gemacht, schafft man so Biotope und Biotopverbünde
  • keine Bodenbearbeitung notwendig, die Böden können sich also erholen. Und: wo kein Traktor fahren muss, braucht man auch keinen Diesel.

Zukunftsmusik

Agrophotovoltaik-Pilotanlage Heggelbach
Agrophotovoltaik-Pilotanlage auf dem Gelände der Demeter-Hofgemeinschaft in Heggelbach. ©Fraunhofer ISE

In Zukunft kann man Freiflächenanlagen vermutlich sogar ganz ohne Verlust an Ackerflächen realisieren. Davon sind wir sicher noch ein paar Jahre entfernt, aber der Ansatz ist durchaus realistisch. Laut Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts ISE eignet sich diese Methode besonders für sonnige und regenarme Regionen wie die unsere.

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