Wo sind eigentlich die meisten Corona-Fälle im Kreis? Diese Frage taucht gerade in letzter Zeit immer häufiger aus. Wir möchten Sie hier mit einer Übersicht nach Inzidenz beantworten – und gleichzeitig darauf hinweisen, dass die Frage wenig sinnvoll ist.

Corona Inzidenz Kommunen im Main-Tauber Kreis
Corona-Inzidenzen der einzelnen Städte und Gemeinden im Main-Tauber Kreis. Da die Einwohnerzahlen allesamt recht gering ist, können schon wenige Fälle starke Auswirkungen haben. Man sieht jedoch, dass die Lage im Kreis eher einheitlich ist. Leider zeigt unser Grafik-Werkzeug nur die Postleitzahlen an. (Grafik: Rainer Gerhards, Daten: Main-Tauber Kreis, Stichtag: 21.11.2021.)

Inzidenz ist mit Vorsicht zu genießen!

Die Inzidenz ist ein statistischer Kennwert. Statistik funktioniert nur auf großen Zahlen gut. Der Kreis an sich ist mit 132.000 Einwohnern schon recht klein. Die einzelnen Kommunen sind eigentlich definitiv zu klein, um darauf ernsthaft Statistik zu betreiben. Nehmen wir Großrinderfeld: die Gemeinde hat gut 4.000 Einwohner. Jede einzelne Corona-Neuinfektion bewirkt damit einen Anstieg der Inzidenz um 25 Punkte. Einzelne Fälle können, bei entsprechend niedrigem Infektionszahlen, das Bild also massiv verzerren.

Daher haben wir bisher auch immer auf die Nennung der Inzidenz nach Städten und Gemeinden verzichtet. Mit den sehr hohen Neuinfektionen im Kreis ändert sich die Lage jedoch ein wenig. Bei solch hohen Werten fallen, wie hier im Beispiel, 25 „Inzidenzpunkte“ nicht mehr so sehr ins Gewicht. So traurig es auch ist: je höher die Anzahl der Neuinfektionen, desto „besser“ wird die statistische Übersicht darüber.

Warum jetzt die Übersicht nach Inzidenzen?

Der eine Grund ist, siehe oben, das die Statistik nicht mehr ganz so verzerrt ist. Der zweite Grund ist die häufige Nachfrage „ja wo sind denn die Hotspots“. Das fiel gerade in den sozialen Medien auf, und das vor allem nachdem der Kreis keine Zahlen pro Kommune mehr veröffentlicht hat.

Gestern hat der Kreis jedoch die Corona Neuinfektionen der Vorwoche als Summe je Kommune gemeldet. Damit verfügen wir erneut über die nötigen Daten. Und, was auffällt: betrachtet man nur diese absoluten Zahlen, entsteht leicht ein falscher Eindruck der Lage. Schauen wir uns das einmal an.

Corona-Neuinfektionen vom 15. bis 21. November im Main-Tauber Kreis nach absoluten Fallzahlen.(Grafik: Rainer Gerhards, Daten: Main-Tauber Kreis)

Auf ersten Blick scheint es hier große Schwerpunkte in Wertheim, Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim zu geben. Das sind aber natürlich auch Orte mit hohen Einwohnerzahlen. Entsprechend sind dort auch viele Infektionen zu erwarten.

Schaut man sich nun die Karte nach Inzidenzen oben an, dann merkt man:

  • die vermeintlichen Hotspots werden falsch eingeschätzt
  • die Lage ist im Kreis eigentlich relativ ähnlich

Macht es überhaupt Sinn, auf die Hotspots zu schauen?

Ein klares Nein! Denn zum Einen gibt es gar keine „harten“ Hotspots. Zum Anderen sind wir alle im Kreis vielfältig miteinander verbunden. Man denke nur an Arbeit, (weiterführende) Schulen, Einkaufen, Arztbesuche und so weiter… Gerade die Einwohner der kleineren Gemeinden nutzen die größeren Städte für viele Einkäufe und Dienstleistungen. Dort trifft man sich, und ggf. auch im ÖPNV auf dem Weg dahin. Auch in die umliegenden Kreise wie Würzburg, Neckar-Odenwald oder Hohenlohe gibt es viele Verbindungen.

Hinzu kommt, dass durch die weitgehende Aussetzung der Kontaktverfolgung in Baden-Württemberg die Dunkelziffer der Neuinfektionen sehr stark angestiegen ist. Das ist übrigens auch in Gesamt-Deutschland der Fall, weil auch in anderen Bundesländern die Gesundheitsämter „nicht mehr hinterher kommen“. Das RKI spricht von einer vermutlich doppelt bis dreifach höheren Zahl von Neuinfektionen. Anders gesagt: wir sehen in den Daten vermutlich nur ungefähr ein Drittel der echten Fälle. Damit ist die Lage schwer einzuschätzen und kann sich sogar nochmal anders darstellen. Am wahrscheinlichsten ist in einer solchen Situation aber eine relativ gleichmäßige Verteilung – so, wie man sie ansatzweise ja auch im Kreis erkennen kann.

Man muss es einfach sagen: das Infektionsgeschehen in Baden-Württemberg ist so stark, dass einfach überall eine ähnlich hohe Gefahr besteht. Sich gedanklich auf Hotspots zu beschränken, bringt da falsche Sicherheit.

Was kann man tun?

Wer sich schützen möchte, sollte daher nicht auf vermeintliche Hotspots schauen, sondern selbst aktiv werden:

  • Lassen Sie sich impfen, wenn noch nicht geschehen.
  • Lassen Sie sich die Booster-Impfung geben – insbesondere, wenn Sie über 60 sind, oder mit Johnson&Johnson geimpft wurden (Das verliert nach sehr kurzer Zeit seine Schutzwirkung). Lassen Sie sich auch boostern, wenn Sie jünger sind!
  • Tragen Sie FFP2 Maske. Immer. Richtig (also fest über Mund und Nase).
  • Vermeiden Sie Veranstaltungen und größere Treffen, wenn diese nicht unbedingt nötig sind. Ganz besonders in Innenräumen.
  • Halten Sie sich ganz generell an die Hygieneregeln und behördlichen Vorgaben.

Ist es ein Problem, wenn der Kreis keine Zahlen der Gemeinden nennt?

Da das Thema gerade in social Media heiß diskutiert wird, hier noch einmal eine eindeutige Antwort: Nein, das ist kein Problem! Durch die aktuell wirklich schlimme Lage ist das Gesundheitsamt sehr stark überlastet. Es hat einfach Besseres zu tun, als täglich die Zahlen pro Kommune zu ermitteln und zu veröffentlichen. Klar hätte man die Daten gerne. Aber ehrlich gesagt ist es nun einmal wichtiger, Corona so gut es geht zu bekämpfen. Und wie hier dargelegt, haben diese Zahlen auf Ebene der Städte und Gemeinden auch eigentlich keine wirkliche Aussagekraft mehr.

Rohdaten

Basis unserer Berechnung sind die vom Landkreis veröffentlichten Fallzahlen je Kommune. Ohne die können wir keine Berechnung vornehmen. Dieser Werte gibt es, wenn überhaupt, dann nur vom Land. Am gestrigen Montag wurde Folgendes veröffentlicht:

In der vergangenen Woche vom Montag, 15. November, bis Sonntag 21. November, wurden insgesamt 530 neue Fälle im Main-Tauber-Kreis festgestellt. Diese verteilen sich auf das Gebiet der Kommunen Ahorn: 10, Assamstadt: 3, Bad Mergentheim: 127, Boxberg: 18, Creglingen: 17, Freudenberg: 8, Großrinderfeld: 15, Grünsfeld: 6, Igersheim: 14, Königheim: 24, Külsheim: 17, Lauda-Königshofen: 31, Niederstetten: 17, Tauberbischofsheim: 50, Weikersheim: 30, Werbach: 7, Wertheim: 133 und Wittighausen: 3.

Sofern nächste Woche wieder eine entsprechende Veröffentlichung erfolgt, können wir die Grafiken aktualisieren.

Zur Inzidenz-Berechnung benötigen wir außerdem die Anzahl der Einwohner pro Gemeinde. Der Einfachheit halber nutzen wir dazu diese Seite. Die Gesamtzahl der Einwohner weicht leicht von der offiziellen Zahl ab. Für unsere Zwecke macht das aber keinen nennenswerten Unterschied.

Weitere Informationen rund um Covid-19 (Corona, SARS-CoV-2), auch im Main-Tauber Kreis, gibt es auf der Übersichtsseite zu Coronavirus in Großrinderfeld und Main-Tauber Kreis.
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Informationen zu Corona-Mutationen in Baden-Württemberg finden Sie hier.