Großrinderfelder Bauernmarkt 2020 abgesagt – warum auch ich dafür war.

Man konnte es schon der Homepage der Gemeinde und dem Mitteilungsblatt entnehmen: der Großrinderfelder Bauernmarkt 2020 ist abgesagt. Als Mitglied des Arbeitskreises habe ich bereits Nachfragen erhalten, ob das denn wirklich sein musste. Daher möchte ich kurz meine Beweggründe dazu erklären.

Bauernmarkt Großrinderfeld
Viel los ist immer auf dem Bauernmarkt in Großrinderfeld – hier in 2002. In Corona-Zeiten ist ein solches Volksfest riskant und schwierig durchzuführen. Daher hat der Arbeitskreis sich zur Absage durchgerungen. (Foto: Rainer Gerhards)

Die Argumentation in der an mich gerichteten Frage ist nachzuvollziehen: hätte man mit der Absage nicht wenigstens noch bis in den Juli hinein warten sollen? Immerhin wäre der Bauernmarkt in diesen schwierigen Zeiten auch ein Symbol der Normalität gewesen und hätte Hoffnung geben können.

Im Arbeitskreis haben wir uns auch wirklich schweren Herzens durchgerungen, den Bauernmarkt abzusagen. Ich möchte hier nicht die Interna der Sitzung offen legen, kann aber meine eigene Sichtweise darstellen.

Natürlich verstehen ich, dass man anderer Meinung sein kann. Ich halte die Entscheidung aber für richtig und habe auch für die Absage in 2020 gestimmt. Zunächst einmal hat es in der letzten Zeit immer mehr Fragen gegeben, was denn mit dem Bauernmarkt sei. Das hat letztlich auch den Ausschlag dazu gegeben, jetzt darüber zu sprechen.

Meine Beweggründe für die Absage werden sich leider bis Anfang September nicht wirklich ändern: der Bauernmarkt mit seinen gut 10.000 Besuchern ist eine Großveranstaltung. Es kommen Menschen aus der Region, nicht nur aus Großrinderfeld oder TBB. Es geht sehr eng zu. Notwendige Hygienemaßnahmen dürften kaum einzuhalten sein. Durch diese Umstände kann ein einziger Infizierter die Erkrankung weit streuen.

Ich bin hier bei den Ministerpräsidenten Söder und Kretschmann: Volksfeste sind natürlich eine tolle Sache. In der aktuellen Situation steht das Risiko aber in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen. Daher haben beide Ministerpräsidenten auch darauf hingewiesen, dass Volksfeste „sicher als letztes wieder öffnen werden„.

Wie ist die Situation?

Was „aktuelle Situation“ angeht: die ist geprägt von nicht vorhandenen Impfstoffen und Medikamenten. Anders gesagt: wir können eigentlich nichts gegen die Erkrankung unternehmen. Und die verläuft in nicht wenigen Fällen (immerhin jedem fünften) sehr schwer. Daran wird sich auch bis Anfang September nichts wesentlich ändern. Damit bleibt das Risiko, trotz erfreulichem Trend bei den Fallzahlen, hoch.

Wichtiger als Volksfeste ist es, z.B. die Kindergärten wieder zu öffnen. Das allein ist schon eine gewaltige Kraftanstrengung. Wenn das gelingt, möchte ich das durch einen möglichen Ausbruch beim Bauernmarkt nicht wieder gefährden. Das würde auch deutliche Nachteile für unsere lokale Wirtschaft bedeuten – auch die sollte doch Priorität haben…

Aus diesen Überlegungenen war ich also schon grundsätzlich gegen die Durchführung. Dazu gibt es aber auch noch ganz praktische Dinge zu bedenken, wie z.B.:

  • wie kann man den Besucherstrom steuern?
  • wie soll das mit den Mindestabständen funktionieren?
  • wie sollen gerade die kleinen Stände die Kosten für Desinfektionsmittel, Masken etc tragen?
  • wie können wir in der besonderen Situation das Parken einigermaßen regeln?
  • … und noch diverses anderes.

Mit ist klar, dass man die Dinge auch anders bewerten kann. Darum ist die aktuelle politische Diskussion um die Corona-Strategie der Länder auch sehr wichtig. Ich persönlich muss aber zu meiner Meinung stehen und auch entsprechend abstimmen. Daher habe auch ich für die Absage des Bauernmarkts im Jahr 2020 gestimmt.

Hätte man nicht trotzdem mit der Absage bis Anfang Juli warten können?

Das hätte man natürlich gekonnt. Die Frage ist nur, ob das Sinn gemacht hätte. Die fundamentale Situation wird sich meiner Meinung nach in den nächsten Monaten nicht ändern (Begründung siehe oben). Abgesagt hätte man also auf jeden Fall. Gleichzeitig hat es aber in letzter Zeit immer mehr Rückfragen gegeben, von potentiellen Teilnehmern, ob der Bauernmarkt durchgeführt wird. Zumindest einige müssen oder wollen offensichtlich rechtzeitig planen und mit der Vorbereitung anfangen.

Was hätte es gebracht, hier weiter Unsicherheit über die Durchführung zu erhalten? Vor allem, wenn man ohnehin sicher davon ausgeht, dass es den Bauernmarkt nicht geben kann? Damit hätte man Vereine und Gewerbetreibende unter Umständen sogar wissentlich zu unnützen Vorbereitungen getrieben. Ich halte das nicht für fair. Daher war es aus meiner Sicht notwendig und sinnvoll, den Bauernmarkt zum jetzigen Zeitpunkt abzusagen. Anderen Mitgliedern des Arbeitskreises ging es offensichtlich ähnlich (die Diskussion war nicht sehr kontrovers, so viel sei gesagt).

Was, wenn wir falsch liegen? Das würde mich ehrlich gesagt sehr freuen – denn das würde bedeuten, dass wir sehr kurzfristig wirksame Medikamente und/oder eine Impfung gegen Corona bekommen. Wenn das wirklich eintreten sollte, wäre das einfach toll. In dem Falle lasse ich mir auch gerne übertriebene Vorsichtigkeit vorwerfen.

Weitere Lektüre…

Zum Abschluss sei noch ein meiner Meinung nach recht aufschlussreicher und ausgewogener Artikel dazu empfohlen, wie man Corona selbst ohne Impfung eindämmen könnte. Der erschien zufälligerweise just zur rechten Zeit.

Im Corona-Fahrplan des Landes Baden Württemberg steht übrigens nach wie vor: „Großveranstaltungen voraussichtlich bis Ende des Jahres nicht möglich“ [Zur Meldung].

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