Elektroauto: Laden ist ein Riesen-Problem?

Renault ZOE: praxistaugliches E-Auto

Mit dem Elektroauto bin ich ja nicht flexibel, bei den langen Ladezeiten“ – so hört man es immer wieder, wenn man über e-Autos spricht. Oft stellt sich raus, dass es sich um einen Denkfehler handelt.

Ich fahre seit knapp drei Jahren einen vollelektrischen Renault ZOE. Und zwar die „alte“ Version mit realistisch 120km Reichweite. Sommers wie Winters. Ich weiß also, wovon ich spreche. Wichtig: hier in Großrinderfeld lebe ich auch dem Land und, wie die meisten, mit eigener Garage.

Der ZOE ist „nur“ Zweitwagen – wie bei vielen im ländlichen Raum. Klar ist auch: mit dem „kleinen“ ZOE sind Langstreckenfahrten nur schwer möglich. Alle 100km eine Stunde lang „tanken“ will wohl keiner. Langstrecken erledige ich daher mit dem Verbrenner. Viele Fahrten, auch die kürzere Mittelstrecke, macht aber der ZOE. Grundregel: alles, wo ich nicht zwischendrin aufladen muss. Das sind die weitaus meisten Fahrten.

Die Aussage bezüglich „zu langen Ladezeiten“ höre ich immer wieder von Leuten, die noch nie ein Elektroauto gefahren haben. Und die denken halt wie beim Verbrenner: wenn der Tank leer ist, dann fährt man zur Tankstelle. Beim Emobil ist das quasi jeden Abend, weil man immer die volle Reichweite will (ob das wirklich nötig ist, sei dahingestellt). Jeden Tag zu Tanke – das ist lästig und zeitaufwändig.

Beim Elektroauto ist es aber anders: ich fahre damit nie zur Tankstelle. Wenn ich heim komme, klemme ich es in der Garage an den Strom. Dann lädt es. Ob das nun 1, 2 oder 8 Stunden dauert ist mir fast immer egal. Bis zur nächsten Fahrt ist der „Tank“ voll. Aus meiner Sicht ist das sogar ein großer Vorteil des Elektroautos: ich spare mir die Mühe überhaupt zum Tanken zu fahren.

Selbst wenn das Auto nicht über Nacht in der Garage steht. Meist ist zwischen zwei Fahrten mehr als genug Zeit zum nachladen – voll muss es meist eh nicht werden. Oder man braucht gar nicht laden, weil „der Rest“ eh noch reicht.

Ich lade übrigens meistens mit niedrigster Leistung: dann kann ich den Strom, zumindest im Sommer, fast vollständig aus unserer PV-Anlage beziehen.

Und natürlich gibt es auch Gegenargumente, z.B. mit Verweis auf die Parksituation in der Stadt. Da gibt es aber andere Lösungen. Insbesondere, da die neueren Emobile mit 200km Reichweite oder deutlich mehr längst nicht mehr so oft geladen werden müssen. Das beschreibe ich lieber in einem anderen Artikel. Aber natürlich ist ein Elektroauto im Moment noch nicht für jeden und überall brauchbar. Aber sehr viel mehr Leute könnten eines fahren. Die vorgebrachten Bedenken beruhen oft nur auf Vermutungen oder falschen Vorstellungen.

Ich halte es für wichtig, dort ernsthaft über Elektromobilität nachzudenken, wo es praktisch möglich ist. Und das ist sehr viel häufiger der Fall als gemeinhin so angenommen wird.

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