Windräder in Großrinderfeld wenig attraktiv

Der Windatlas für Baden-Württemberg wurde überarbeitet. Die neue Version wurde im Mai vorgestellt.  Gestern Abend habe ich die (sehr ausführliche) Begründung durchgearbeitet. Es haben sich einige interessante Änderungen ergeben. Für die Gemeinde Großrinderfeld ist das meiner Meinung nach recht positiv.

Windatlas BW 2019 - Ausschnitt
Eignung für Windräder – in Großrinderfeld nicht so gut…

Der alte Atlas stammte aus 2011. Seitdem hat sich Vieles getan. Man hat einige Erfahrungen mit den installierten Windrädern gesammelt. Damals wurde die mittlere Windgeschwindigkeit als alleinige Kenngröße für die Eignung eines Standortes genutzt. Das hat sich geändert. Nun werden unter anderem auch berücksichtigt:

  • die Höhe eines Standorts (über Meeresspiegel)
    Je höher, desto dünner ist die Luft. Und je dünner die Luft ist, desto weniger Leistung steht für das Windrad zur Verfügung. Das ist so ähnlich wie bei einem Wasserkraftwerk mit Niedrigwasser.
  • die Landschaft, in der sich der Standort befindet
    Das kennen wir alle: hinter Bäumen kann es relativ windstill sein – auch bei Sturm. Die Windräder sind natürlich höher als alle Bäume. Allerdings erzeugen Bäume auch Verwirbelungen. Die reduzieren die Leistung der Windräder. Das ist auch der Fall bei hügeliger Landschaft.  Je flacher das Land ist, desto besser ist die Leistung. Je „unruhiger“, desto weniger Strom wird produziert.

Durch diese Korrekturfaktoren ist Großrinderfeld als Windkraftstandort weniger attraktiv. Denn einerseits liegen wir mit ca. 350m relativ hoch. Andererseits ist unsere Landschaft stark hügelig und es wechseln sich Wald und Äcker ab. Das erzeugt Verwirbelungen. Das Ergebnis sieht man auch im Windatlas (Ausschnitt oben): das gesamte Gemeindegebiet bietet einen relativ geringen Windertrag. Betrachten wir einmal gesamt Baden-Württemberg:

Pfeil: Großrinderfeld

Man sieht, dass es erheblich bessere Gebiete als das unsere gibt. Allerdings kann man vermutlich die Nutzung bei uns auch nicht völlig ausschließen.

Nun sollte man die Detailkarten des Energieatlas Baden Württemberg betrachten. Die bieten noch erheblich mehr Informationen. Eine davon ist die „Standortgüte„. Die gibt an, wie viel Ertrag ein Windrad im Vergleich zu einem normalen Standort liefern kann. Das EEG fördert dabei Standorte bis 70% des Ertrags (also 30% schlechter als „normal“). Hierzu auch ein kurzer Bildausschnitt:

Standortgüte bei uns: bescheiden

Man sieht, dass diese Standortgüte recht „bescheiden“ ist. So wie wir immer schon gesagt haben… Ein Windrad bei uns erreicht nur 65% seiner normalen Leistung. Es ist damit nochmal 5 Prozentpunkte schlechter als die EEG-Schwelle. Damit wird der Betrieb des Rades wirtschaftlich deutlich unattraktiver. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam übrigens auch ein Gutachten im Rahmen des letzten Bauantrages für ein Windrad in Großrinderfeld. Paßt also alles zusammen.

Das wird dennoch Viele (unter anderem vermutlich die Landsregierung) nicht aufhalten, den Standort als „nutzbar“ zu deklarieren. Oder doch nicht? Man beachte das Video beim SWR. Wie auch immer: um den neuen Windatlas gibt es schon einige Diskussionen. Fest steht aber auf jeden Fall: nun ist die wirtschaftliche Schwäche unserer Standorts auch im Atlas dokumentiert. Investoren werden nun auf die Risikolage korrekt hingewisen. Das kann ja auch helfen…

Fazit: lasst uns erst einmal unser Solar-Potential nutzen! Da liegt noch Vieles brach in Großrinderfeld. Und die Erfahrung mit den installierten Anlagen sind ausgezeichnet. Auch wegen unserer Höhenlage: die Herbstnebel im Taubertal drücken dort deutlich den Ertrag. Den haben wir bei uns kaum.

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